Blog / 2,5 Millionen Menschen ohne Job

Mai 03, 2017

2,5 Millionen Menschen ohne Job


03.05.2017 - 13:21 Uhr

 

Frühjahrsaufschwung trotz Kälte und Schnee: 2,569 Millionen Menschen waren im April ohne Job – 175 000 Erwerbslose weniger als vor einem Jahr. Damit sinkt die Arbeitslosigkeit auf den niedrigsten April-Wert seit 1991.

 Das klingt gut! Doch die Zahlen zeigen nicht die ganze Wahrheit. Denn viele fallen unbeachtet durchs Statistik-Raster. Aber nicht alle anderen in Deutschland sind vollzeit beschäftigt! 7,5 Millionen Menschen gehen einer „atypischen Beschäftigung“ nach – 2,5 Millionen haben einen befristeten Job, 4,8 Millionen arbeiten in Teilzeit und 2,3 Millionen zählen zu den geringfügig Beschäftigten (Zahlen von 2015).

 

 Was ist eigentlich arbeitslos?

Tatsächlich ist „Arbeitslosigkeit“ keine naturgesetzliche Größe, sondern ein immer wieder neu geformter politischer Begriff.

„Arbeitslos“ im Sinne des Gesetzes ist nur, wer „den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung steht“, also nach Möglichkeit gleich morgen einen ihm angebotenen Job übernehmen kann. Mehrere Hunderttausend sind bis heute durch das immer stärker geweitete Statistik-Raster gefallen.

 

Wer wird nicht mehr gezählt?

Wer 58 Jahre alt ist, Hartz-IV bezieht und zwölf Monate lang keinen sozialversicherungspflichtigen Job angeboten bekommt, taucht seit 2009 nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auf.

 

Würde die Gruppe älterer Arbeitsloser mitgezählt, hätte im Januar 2017 die offizielle Arbeitslosigkeit um 158 000 höher gelegen.

Seit 2002 werden Teilnehmer von ein- bis zweiwöchigen Trainingskursen nicht mehr als arbeitslos eingestuft.

Dabei sind Teilnehmer solcher Kurse, die etwa Jobsucher auf Bewerbungsgespräche vorbereiten, bei einem entsprechenden Jobangebot jederzeit bereit, den Kurs abzubrechen.

 

Viele Menschen sind in Deutschland tatsächlich arbeitslos?

Wirklich aussagekräftig sind die Zahlen in der Agentur-Statistik unter dem Punkt: „Unterbeschäftigung“. Hinter dem Begriff steckt die Summe aller Jobsucher, die gerade eine von der BA geförderte berufliche Weiterbildung absolvieren, in einer Arbeitsgelegenheit stecken, zu den erfolglos vermittelten älteren Hartz-IV-Beziehern gehören oder erkrankt sind.

 

Im April waren dies immerhin 3,6 Millionen Menschen (Januar: 3,7 Millionen) – gut eine Million mehr als die Arbeitslosen-Statistik ausweist.

Nimmt man es ganz genau, müsste man eigentlich noch jene Männer und Frauen dazurechnen, die Arbeitsmarktforscher unter dem Begriff „Stille Reserve“ zusammenfassen. Nach Schätzungen des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) waren das 2016 etwa 261 000. In diesem Jahr dürften es rund 271 000 sein.